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2019

Ekaterina Sevrouk

Ekaterina Sevrouk

Last Paradise

„For me photography is to place head and heart and eye along the same line of sight“ - Henri Cartier Bresson.

„For me photography is to place head and heart and eye along the same line of sight“ - Henri Cartier Bresson.
Für ihr Projekt „Last Paradise“ besuchte Ekaterina Sevrouk immer wieder das Haus der Natur in Salzburg und hatte freien Zugang zum sogenannten „toten Zoo“. So wird in vielen Museen die taxidermische Sammlung liebevoll benannt, die durch den fortschreitenden Klimawandel und anderen Umständen durch zahlreiche weitere Exemplare ergänzt wird. Es ist ihr ein Anliegen die Ambivalenz zwischen scheinbarer Erhaltung bzw. Neugestaltung mit der einhergehenden Zerstörung auf ihre ganz eigene Art zu visualisieren. Mit viel Liebe fürs Detail arrangiert und inszeniert sie ihre Motive. Durch das Einsetzen von teils sehr kräftigen Farben unterstützt sie die Wirkung in einer poppigen und extravaganten Art und Weise. Mit ihrer Leica S ist es ihr gelungen alle Details bis ins Kleinste sichtbar und lebendig zu machen.
Ekaterina Sevrouk
ist in Moskau geboren, studierte deutsche Philologie und Kunstgeschichte bevor sie im Jahr 2011 nach Wien zog. Seit 2015 lebt sie in Berlin, wo sie als selbständige Fotografin mit dem Schwerpunkt auf sozial engagierte Kunstprojekte tätig ist. Ein wiederkehrendes Thema in den Fotoarbeiten von Ekaterina Sevrouk ist das Leben mit all seinen hellen und dunklen Seiten. Es geht darum, wie die Menschen miteinander sowie auch mit der Natur umgehen. Ekaterina Sevrouk hat Fotokunst in mehreren Ausstellungen und Publikationen gezeigt, unter anderem „Ausgrenzen!“ (Amnesty Intenational, Berlin), „Last Paradise“ (Publikation von LFI Magazin), „Celeste Preise“ (Wharp Tower, London). Ebenso war sie Finalistin beim Leica Oskar Barnack Award 2017.

 

2019

Peter Hetzmannseder

Peter Hetzmannseder

Donaukanal – Eine Hommage

"Hier bin ich gerne. Manchmal fange ich was - manchmal nicht. So ist das Leben." - Miroslav / Angler

Der Donaukanal, eine Stadt in der Stadt: Hier, eine Ebene tiefer, eröffnen sich Mikrokosmen, wie man sie im landläufigen Stadtraum nicht findet. Sie zeichnen ein eigenes Bild von Wien, spiegeln Lebenswelten, die im Alltag der schönen „Walzerstadt“ untergehen – oder sich ganz bewusst ihren eigenen Ort gesucht haben. Weiter unten liegen sie, erreichbar über Treppen, die das Wasser mitten in der Stadt säumen. Die Symbolik, die durch die Lage des Flusses entsteht, fordert Stellungnahme auf Seiten des Betrachters, bietet doch der Kanal Szenen, die Lebenswelten allegorisieren.
Der Münchner Fotograf Peter Hetzmannseder hat den Donaukanal für sich entdeckt. Das Wechselspiel aus Altertum, Neuzeit, Idylle, Partystimmung und Abgeschiedenheit ist es, das ihn auf seinen fotografischen Streifzügen fasziniert. Aus dem Versuch einer sachlich- dokumentarischen Annährung wurde eine Begegnung, deren Ergebnis in erster Linie von Unvoreingenommenheit auf beiden Seiten geprägt ist, der des Fotografen auf der einen, der des Kanals und seiner Menschen auf der anderen.
Die Texte und die Auswahl literarischer Zitate zum Buch, für die der Münchner Philosoph Andreas Belwe verantwortlich zeichnet, unterstreichen, konterkarieren oder kommentieren die Fotografien auf kongeniale Weise und verbinden sich mit den Abbildungen zu einem feinfühligen, nachdenklichen und oft auch humorvollem Ganzen.
Peter Hetzmannseder
geb. 1963, Ausbildung zum Fotografen auf der Bayrischen Staatslehranstalt für Photographie; Assistenztätigkeit bei international namhaften Fotografen, seit 1993 als selbständiger Fotograf tätig; Einzelausstellungen in München & Frankfurt; lebt und arbeitet in München.

 

2018

Kurt Hutton

Von Strassburg nach London – Von Hübschmann zu Hutton

„Die Menschen selbst müssen für den Fotografen etwas bedeuten, bevor er überhaupt in der Lage ist, eine ansprechende Ähnlichkeit zu erreichen.“

Als genauer Chronist und sensibler Porträtist zählt Kurt Hutton (1893–1960) zu den wichtigsten Pionieren des englischen Bildjournalismus. Nach einer kurzen Assistenz bei Germaine Krull eröffnete er mit seiner Frau 1921 in Berlin ein Porträtstudio, arbeitete jedoch zunehmend als Reportagefotograf. Mit der Leica fand er die für seine Bildgestaltung nötige Flexibilität und Mobilität. Seine Karriere als Bildjournalist startete um 1930 bei der Berliner Bildagentur Dephot von Simon Guttmann. Nach der Emigration nach England 1934 änderte er 1937 seinen Nachnamen von Hübschmann in Hutton. Er arbeitete für die Weekly Illustrated und ab Oktober 1938 gehörte er zu den ersten Mitarbeitern der Picture Post, die der ebenfalls aus Deutschland emigrierte legendäre Bildredakteur Stefan Lorant in London gründete. Bis 1950 erschienen über 900 Bildserien in der Picture Post. Ab 1951 lebte Kurt Hutton in Aldeburgh und wurde dort der fotografische Biograf des Komponisten Benjamin Britten.
Kurt Hutton wurde am 11. August 1893 in Straßburg als Kurt Hübschmann geboren. Aufnahme eines Jurastudiums am Queen’s College in Oxford (1911–1913), Kriegsdienst bis
1918, danach Rekonvaleszenz im schweizerischen St. Moritz. 1921 Heirat mit Margereta „Gretl“ Ratschitzky. Nach einer Assistenz bei Germaine Krull Gründung eines Porträtstudios in Berlin. 1934 Emigration nach London, dort erfolgreiche Karriere als Bildjournalist. Hutton starb 1960 in Aldeburgh in Suffolk.

Besonderer Dank geht an das Hutton-Archiv (Getty Images, London), durch dessen Unterstützung diese Ausstellung realisiert werden konnte.

 

2018

Nadja Gusenbauer

Nadja Gusenbauer

Sperrzone Tschernobyl. Verschwunden 1999.

Eine Reihe von 43 monochromatischen Bildern wurde in der Sperrzone rund um das Atomkraftwerk Tschernobyl im Juli 2017 aufgenommen, 30 Jahre nach einer der größten Atomkatastrophen. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (26. April 1986) wurde als erstes Ereignis in die höchste Kategorie „katastrophaler Unfall“ auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse eingeordnet.

Eine Reihe von 43 monochromatischen Bildern wurde in der Sperrzone rund um das Atomkraftwerk Tschernobyl im Juli 2017 aufgenommen, 30 Jahre nach einer der größten Atomkatastrophen. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (26. April 1986) wurde als erstes Ereignis in die höchste Kategorie „katastrophaler Unfall“ auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse eingeordnet.
Die Bilderreihe besteht aus den Serien Tschernobyl town, nuclear power plant, abandoned city of Pripyat, Richytsa, exclusion Zone und russian woodpecker. Im Jahr 1986 wurde die 30-Kilometer-Zone rund um das explodierte Atomkraftwerk als Ausschlusszone deklariert und der Informationsfluss wurde auf ein politisch unvermeidbares Minimum reduziert.
55 Ortschaften, unter anderem auch das Dorf Richytsa, wurden evakuiert und einige Jahre später, 1999 aus den offiziellen Verwaltungsregistern des Staates gelöscht. Es sind 115 Dörfer und mehr als 12.000 Höfe in der Sperrzone, die offiziell nicht mehr existieren. – Verschwunden im Jahr 1999.
Es bestand keinen Wille eine informative Narration oder eine Reportage vom Unglücksort zur Schau zu stellen. Die kontrastreichen Bilder sind eine Erzählung, ein gedanklicher Gang durch Emotionen, Interpretation und ästhetische Eindrücke.
Die Vielschichtigkeit der Problematik rund um Tschernobyl, die Stadt Prypjat und der nuklearen Katastrophe in Zusammenspiel mit allgemeinen fehlendem Spezialwissen öffnet Emotionen in der Bevölkerung und lässt die Klarheit und Wahrheit über Tschernobyl nicht zu.
Dies überdeckt einst gewohnte Orte mit Mystik, Gefahr, Verfremdung, Ungewissheit und Trostlosigkeit.

 

2018

Ellen von Unwerth

Ellen von Unwerth

Wild Wild West

"Ich fotografiere Menschen gerne, bevor sie wissen, aus welcher Perspektive sie am besten aussehen.“

Ellen von Unwerth inszenierte mit einer Leica S eine Serie in der sie in loser assoziativer Folge eine Mädchen-Gang auf der Jagd nach dem Glück im Wilden Westen folgt. Die unkonventionellen Bildwelten der Fotografin leben von der besonderen Mischung aus Witz, Frechheit, Frivolität und Verspieltheit.
Für die Serie konnte sie Stars zum Mitspielen mobilisieren: Marilyn Manson als Bösewicht, ebenso dabei sind der Schauspieler Micah Fitzgerald, die Musikerin Caroline Vreeland und die Performance-Künstlerin Millie Brown. Sie alle laden ein, genau hinzusehen und sich von den fast schon filmischen Sequenzen mitreißen zu lassen.
Ellen von Unwerth stamm aus Frankfurt am Main und arbeitete weltweit, nach einer Kindheit im Waisenhaus ging sie als 16 Jährige nach München. Sie trat als Nummern-Girl im Zirkus Roncalli auf, bis ein Fotograf sie für ein Foto-Shooting der Zeitschrift Bravo buchte. Dort entdeckte sie der Chef der Modelagentur Elite. Sie zog nach Paris und arbeitete in den nächsten zehn Jahren als Top-Model mit den größten Modefotografen dieser Zeit zusammen. Erfolgreicher als jedes andere ehemalige Model hat sie sich von einem Star vor der Kamera zu einem hinter der Kamera entwickelt. Sie hat mit den berühmtesten Models, Magazinen und Labels gearbeitet- sie ist bekannt dafür, Claudia Schiffer entdeckt zu haben. Sie lebt und arbeitet heute in Paris und New York.

 

2017

Per-Anders Pettersson

African Catwalk

„Für mich geht es in der Geschichte nicht nur um Mode, sondern auch um die neue Entwicklung in Afrika.“

Farbenfroh und selbstbewusst, vielseitig und voller kreativer Ideen: So präsentiert der schwedische Fotograf in seinem Projekt die Modeszene Afrikas. Zwischen 2010 und 2015 war er in fünfzehn Ländern unterwegs, um die Welt der Mode auf den Laufstegen, vor allem aber auch hinter den Kulissen zu dokumentieren.
Herausgekommen ist ein vitales Kaleidoskop der Mode Afrikas, das sich erfreulich vom meist vorherrschenden Bild des Kontinents in westlichen Medien und Magazinen abhebt. Pettersson, der seit vielen Jahren in Südafrika lebt, ist der perfekte Botschafter dieses überraschend optimistischen Blicks und kann mit seiner Bildserie überzeugend der Fehlwahrnehmung entgegentreten, dass Afrika in erster Linie ein krisen- und kriegsgeschüttelter Kontinent voller Armut, Krankheiten, ethnischer Konflikte und terroristischer Verheerungen ist.
Der Kontakt zur Mode kam für den Fotografen eher zufällig zustande, als er 2010 auf eine Präsentation der Fashion Week in Johannesburg geriet: „Es war meine erste Modenschau überhaupt und ich war absolut fasziniert.“
Per-Anders Pettersson wurde 1967 in Borås, Schweden, geboren. 1990 zog er nach New York, 2000 nach Südafrika, er lebt heute in Kapstadt.
Seine Dokumentationen aus über 30 afrikanischen Ländern, darunter über die Hungerkrise in Äthiopien, den Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo und die Aids-Epidemie in Botswana und Südafrika, wurden vielfach international ausgezeichnet. Nach der Publikation Rainbow Transit, die 2013 erschien, veröffentlichte er im gleichen Jahr den Bildband African Catwalk im Kehrer Verlag.

 

2017

Manfred Baumann

The Collection

Manfred Baumann ist ein österreichischer Fotograf, und wurde 1968 in Wien geboren. Mittlerweile präsentiert der LEICA Fotograf seine Werke weltweit in Form von Ausstellungen, Büchern und Kalendern.

Manfred Baumann ist ein österreichischer Fotograf, und wurde 1968 in Wien geboren. Mittlerweile präsentiert der LEICA Fotograf seine Werke weltweit in Form von Ausstellungen, Büchern und Kalendern.
Seine Fotografien werden sowohl in internationalen Galerien wie auch in Museen gezeigt. In den letzten Jahren ist der Wiener Fotograf zu einem der einflussreichsten Fotografen unserer Zeit geworden.
Manfred Baumann „The Collection“ zeigt erstmals in der LEICA Wien Galerie eine Retrospektive seiner Werke zu den Themen Celebrities, Fine Nude Art und Street Photography.
Er lebt und arbeitet in Europa und den USA, und hat bereits Größen wie Sandra Bullock, Gene Simmons, Kirk Douglas, Angelina Jolie, William Shatner, Jack Black, Natalie Portman, Tony Curtis, Paul Anka, Lionel Richie, John Malkovich, Bruce Willis, Juliette Lewis, Toni Garrn, Michelle Rodriguez, Leah Remini, Evander Holyfield, uvm. fotografiert.
Für Manfred Baumann besteht die Faszination darin, das Gewohnte zu verlassen und mit seiner Fotografie den Moment einzufangen. Er liebt es, die Welt durch seine Augen als Fotograf zu erkunden.
Zu zeigen was andere nicht gesehen hätten, machte er sich schon mit seinen Ausstellungen “END OF LINE” zur Aufgabe, wo er Todeskandidaten im Gefängnis von Texas, auf ihrem letzten Weg begleitete, oder „ALIVE“ wo er 1 Jahr lang Obdachlose auf der Straße fotografierte.
„Der Betrachter meiner Fotografien sollte die Seele und Geschichte darin entdecken, und erkennen, dass die Fotografie die einzige Sprache ist, die überall in der Welt verstanden wird.“

 

2017

Roland Pleterski

Animalia

Tiere im Bild

Mit Beginn der warmen Jahreszeit verwandelt sich die Leica Galerie in eine Menagerie, die sich vor dem Schönbrunner Zoo nicht zu verstecken braucht: Affen, Elefanten, Pelikane, Schmetterlinge, Haie, Kaninchen und eine Reihe weiterer Spezies, nicht zu vergessen natürlich unsere ältesten und liebsten Freunde, Katzen, Hunde und Schweine, tummeln sich in den Räumen an der Walfischgasse.

Die Fotografien inszenieren sie als Symbol und Trophäe, als Passant, Beute und Accessoire, als Wildtier, Nutztier, Haustier, als Comic Relief und nicht zuletzt auch als flauschiges Requisit großer Fische der Filmindustrie wie James Dean, Gérard Depardieu oder Walt Disney.

Tiere, sieht man hier, waren schon immer die besseren Menschen – oder immerhin die besseren Schauspieler. Nie hat man einem Tier sagen müssen, es solle ganz natürlich sein, nie musste man es auffordern: „Sei einfach Du selbst“. Es weiß, was die Kamera erwartet – vorausgesetzt, der Fotograf ist schnell genug.

Neben den bekannten Vierbeinerenthusiasten Elliott Erwitt und William Wegman widmen sich in der Ausstellung auch andere Schwergewichte der Fotogeschichte dem Animalischen unter uns. So fotografierte etwa Eve Arnold eine Katze zwischen loungenden Warhol-Superstars, Henri Cartier-Bresson erwischte Straßengänse im entscheidenden Moment, Klaus Pichler begegnete 2010 einem Hai in den Katakomben des Naturhistorischen Museums, Daniel Gebhart de Koekkoek lichtete Hauskatzen im freien Fall ab und dass Irving Penn nicht nur Jahrhundertporträtist sondern auch Besitzer zweier Haustiere mit Namen Fido und Mauki war, zeigen zwei Aufnahmen von Roland Pleterski. Nicht fehlen darf in der Leica Galerie schon der Namensähnlichkeit wegen Hündin Laika, die 1957 als erstes Lebewesen in der Erdumlaufbahn der gesamten Menschheit um knappe vier Jahre voraus war.

Mit Fotografien von Lola Álvarez Bravo, Nobuyoshi Araki, Eve Arnold, Roger Ballen, Bruno Barbey, Werner Bischof, Brassaï, René Burri, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Bruce Davidson, Peter Dressler, Elliott Erwitt, Joan Fontcuberta, Daniel Gebhart de Koekkoek, Mario Giacomelli, Thomas Höpker, Tore Johnson, Josef Koudelka, Sergio Larrain, Jaques-Henri Lartigue, Andrei Liankevich, Ulrich Mack, Pierre Manevy, Klaus Pichler, Roland Pleterski, Osvaldo Salas, Tazio Secchiaroli, Aldo Sessa, Paul Slade, Alfred Stieglitz, Dennis Stock, Takeuchi Toshinobu, William Wegman, Manfred Willmann und Yoko Yamamoto.

 

2016

Nobuyoshi Araki

Nobuyoshi Araki

Love by Leica

Herzstück der Schau ist die Serie Love by Leica (2006), eine atmosphärisch dichte Sammlung von Frauenporträts und Aktaufnahmen in Schwarz-Weiß, für die Araki mit einer analogen Leica M7 arbeitete.

Nobuyoshi Araki (*1940 in Tokio) gehört unbestritten zu den radikalsten und einflussreichsten Fotografen unserer Zeit. In seinem Schaffen außerordentlich produktiv und innovativ, gilt er – auch jenseits der Fotografie – als eine der wichtigsten Figuren in der aktuellen Kunstlandschaft. Mit den 66 Fotografien der Serie Love by Leica zeigt die Leica Galerie Wien eine seiner aufregendsten Arbeiten.
Araki entwickelte mit seinen Fotografien eine einzigartige bildnerische Handschrift, eine über die japanische Kultur hinausreichende, teils poetische, teils provokante Darstellung menschlicher Leidenschaften. Für seinen charakteristischen Blick prägte er den Begriff des Foto-Ich, worunter er den fesselnden Wechsel von Fiktion, Wahrheit und Wunsch versteht.
Herzstück der Schau ist die Serie Love by Leica (2006), eine atmosphärisch dichte Sammlung von Frauenporträts und Aktaufnahmen in Schwarz-Weiß, für die Araki mit einer analogen Leica M7 arbeitete. Seine umstrittenen Akte und intimen Studien des weiblichen Körpers, in denen sich Einflüsse der erotischen Ikonografie der Edo-Periode (Friedens- und Blütezeit in Japan, 1603–1868) und der Hochglanzästhetik der Werbe- und Medienwelt erkennen lassen, machten ihn international berühmt und sind Teil eines weiten Motivkanons, mit dem der Künstler seine Welt beschreibt.

 

2016

Alfons Walde

Alfons Walde

Winterträume

Die Fotografien des Malers Alfons Walde (1891–1958) aus dem Nachlass des Künstlers, die über Jahrzehnte unbeachtet in einer Kiste schlummerten, wurden im Dezember 2014 erstmals im Fotomuseum WestLicht gezeigt. Zur diesjährigen Wintersaison die Leica Galerie Wien eine Auswahl von Aufnahmen aus dieser spektakulären Entdeckung.

Der weltberühmte Landschaftsmaler Walde entpuppt sich darin auch als Meister der Fotografie – mit Fokus auf den weiblichen Akt. Seine Inszenierungen reichen von klassischen Posen aus der kunsthistorischen Tradition bis hin zu erotisch aufgeladenen, teils pornografischen Szenen. Während seine Schwarz-Weiß-Fotografien in den frühen 20er Jahren noch an Egon Schiele und Koloman Moser erinnern, ist ab den 1930ern seine Rolle als Vorreiter der Farbfotografie bemerkenswert. Walde benutzte seine Leica mit dem gerade erfundenen Farbfilm und fertigte Diapositive an, die in ihrer malerischen Anmutung faszinieren. Neben dem erotischen Werk entstanden Landschafts-, Porträt- und Architekturaufnahmen. Die Fotografien dienten dem Künstler auch als Anregung und Vorlage für seine Malerei.

Alfons Walde ist einer der bekanntesten österreichischen Landschaftsmaler des 20. Jahrhunderts, verehrt nicht nur in seiner Heimat, sondern weltweit. Geboren am 8. Februar 1891 in Oberndorf bei Kitzbühel zog es ihn 1910 nach Wien, wo er ein Studium an der Technischen Hochschule aufnahm. Es folgten erste Ausstellungen in Innsbruck (1911) und in der Wiener Secession (1913).
Waldes erste Berührung mit dem Medium Fotografie datiert noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, möglicherweise angeregt durch seinen Onkel und Verleger Sepp Ritzer. In der Innsbrucker Kunsthandlung Unterberger stellte er 1921 erstmals auch seine Aktdarstellungen der Öffentlichkeit vor – sie stießen auf gemischte Reaktionen. Der in der Zwischenkriegszeit boomende Skitourismus und die mondänen Wintergäste in Kitzbühel bescherten Walde nicht nur eine potente Käuferschicht, sondern schlugen sich auch in seiner Motivwahl nieder. 1924 gewann Walde die beiden ersten Preise in einem Wettbewerb des Tiroler Landesverkehrsamtes, Rubrik „Winterbilder“.

 

2016

Francois Fontaine

François Fontaine

Silenzio!

In den Jahren 2011–2012 hat François Fontaine mit seiner Leica CM, einer der letzten analogen Kompaktkameras von Leica, die Filmszenen der Serie direkt vom Bildschirm abfotografiert. Die so entstandenen Stills stammen aus französischen wie internationalen Farbfilmen von den 1940er-Jahren bis heute...

Mémoires de cinema / Kino der Erinnerungen
Mit Arbeiten des französischen Fotografen und Oskar Barnack Preis-Finalisten François Fontaine nimmt die Leica Galerie Wien ihre BesucherInnen zum Jahresbeginn mit auf eine Reise durch die Klassiker der Filmgeschichte - und zu den eigenen Erinnerungen. Die Ausstellung ist bis 16. April 2016 zu sehen.
In den Jahren 2011–2012 hat François Fontaine mit seiner Leica CM, einer der letzten analogen Kompaktkameras von Leica, die Filmszenen der Serie direkt vom Bildschirm abfotografiert. Die so entstandenen Stills stammen aus französischen wie internationalen Farbfilmen von den 1940er-Jahren bis heute, ein Großteil gehört längst zu Ikonen des Zelluloids. So treffen wir in Fontaines Hommage an das Kino auf Stars wie Kim Novak in Hitchcocks Vertigo, auf Peter O’Toole als Lawrence von Arabien in David Leans gleichnamigen Wüstenepos, Brigitte Bardot in Godards Die Verachtung oder Naomi Watts in David Lynchs Mulholland Drive.

François Fontaine, geb. 1968 in Paris. Studium der Kunstgeschichte an der Sorbonne. Ausgedehnte Reisen, insbesondere Südostasien. 1997 erste Ausstellung (Les Prisons de Phnom-Penh) in Paris. Fontaines Serie Lost in China gehört 2006 zu den Finalisten des Oskar-Barnack-Preis und wird bei den Rencontres in Arles präsentiert. 2011-12 Auseinandersetzung mit der Bildwelt des Kinos (Silenzio! Mémoires de cinéma). Leica zeigt die Serie 2014 in einer Ausstellung auf der Paris Photo.

 

2015

image by: Elliott Erwitt

Elliott Erwitt

Paris

Fotografien eines Amerikaners in Paris zeigt die Leica Galerie Wien ab 23. September 2015: Elliott Erwitt (*1928), Fotografenlegende, Magnum-Urgestein und Meister des hintersinnigen Humors. Erwitt wurde in Paris geboren, seine Kindheit allerdings verbrachte er in Italien bevor er 1939 mit den Eltern in die USA auswanderte. In die Metropole an der Seine, Schauplatz einiger seiner ersten fotografischen Streifzüge in den 1940er Jahren und Gründungssitz der Agentur Magnum, kehrt der leidenschaftliche Kosmopolit immer wieder zurück – stets mit dabei seine Leica.

Fotografien eines Amerikaners in Paris zeigt die Leica Galerie Wien ab 23. September 2015: Elliott Erwitt (*1928), Fotografenlegende, Magnum-Urgestein und Meister des hintersinnigen Humors. Erwitt wurde in Paris geboren, seine Kindheit allerdings verbrachte er in Italien bevor er 1939 mit den Eltern in die USA auswanderte. In die Metropole an der Seine, Schauplatz einiger seiner ersten fotografischen Streifzüge in den 1940er Jahren und Gründungssitz der Agentur Magnum, kehrt der leidenschaftliche Kosmopolit immer wieder zurück – stets mit dabei seine Leica.
Einen Erwitt erkennt man unter hunderten Aufnahmen. Seine Arbeiten zeichnet ein scharfzüngiger, dabei immer warmherziger Humor aus, der in der Fotogeschichte seinesgleichen sucht. Erwitts Bilder scheinen uns beharrlich zuzuzwinkern, sie machen den Betrachter zum Komplizen oder stoßen ihn auf die eigene Eitelkeit. Es ist diese charakteristische Sicht der Dinge, die sowohl Erwitts Auftragsarbeiten wie auch seine freie Fotografie geprägt hat. In seinen politischen Reportagen sorgt sie für den menschlichen Maßstab, seinen Alltagsbeobachtungen verleiht sie eine Tiefe, die weit über den stets auf den Punkt getroffenen Moment hinausreicht.
Paris nähert sich Erwitt mit den Augen des Flaneurs. Sein Paris ist die Stadt der Boulevards und Straßencafés, der Jardins und Cabarets. So schreibt er den Mythos der Metropole fort, dank seines unnachahmlichen Gespürs für das Besondere im Alltäglichen erscheint es, als durchstreife man die Stadt zum ersten Mal. Mit dem eleganten Humor eines Jacques Tati erzählt jede Fotografie ein Kapitel der menschlichen Komödie, sei es das Bild eines Paars im Louvre bei der innigen Begegnung mit einem steinernen Koloss, die Silhouette eines Tänzers am Trocadéro, oder die Aufnahmen der Pariser Straßenhunde, die sich ganz nonchalant unter die Bevölkerung der Stadt mischen. Die Ausstellung vereint rund 40 Fotografien aus einem Zeitraum von nicht weniger als sieben Jahrzehnten und ist so nicht nur eine Hommage an die Stadt der Liebe sondern steht stellvertretend für das beeindruckende Lebenswerk eines der ganz Großen der Zunft. Elliott Erwitt wählte die Arbeiten persönlich für seine Ausstellung 2012 in der Chanel Nexus Hall in Tokio aus.
Biografie
Elliott Erwitt wurde 1928 als Sohn russischer Emigranten in Paris geboren und wuchs in Mailand auf. 1939 flüchtete die Familie vor dem Nationalsozialismus in die USA, lebte kurzzeitig in New York und zog 1941 nach LA. In Hollywood fand der 15-jährige Erwitt seine erste Anstellung in einem kommerziellen Fotostudio, wo er in der Dunkelkammer Kontaktabzüge von Stars und Starlets der Traumfabrik anfertigte. 1946 siedelte Erwitt zurück an die Ostküste – New York blieb fortan seine Heimatbasis. Hier lernte er Robert Capa kennen, Edward Steichen und Roy Stryker verschafften ihm seine ersten Aufträge. Ende der 1940er Jahre bereiste er Frankreich und Italien, die frühesten Fotografien der Ausstellung stammen aus dieser Zeit. 1951 wurde Erwitt in die US Army eingezogen. Statt der befürchteten Versetzung nach Korea erhielt er einen Posten als Dunkelkammerassistent bei einer in Deutschland und Frankreich stationierten Nachrichteneinheit. Nach Erwitts Entlassung aus dem Militärdienst rekrutierte Robert Capa den jungen Fotografen für die Agentur Magnum, der er bis heute angehört und der er in den 1960ern für drei Jahre als Präsident vorstand. Erwitt arbeitete für die großen Namen des goldenen Zeitalters der Magazine, darunter Look, Life, Collier’s oder Holiday. Journalistische Aufträge wechselten mit kommerzieller Fotografie, daneben blieb immer Zeit für Erwitts freie Arbeiten – seine „Schnappschüsse“, wie er sie nennt. In den 1970er Jahren wandte sich Erwitt verstärkt dem Film zu. Es entstanden verschiedene Dokumentationen und in den 1980ern eine Reihe von Komödien für den amerikanischen Sender HBO. Erwitts Fotografien sind weltweit in renommierten Sammlungen vertreten, Einzelausstellungen wurden in Institutionen wie dem MoMA in New York, dem Smithsonian, dem Art Institute of Chicago, dem Museé d’Art Moderne de la Ville de Paris oder dem Kunsthaus Zürich gezeigt.

 

2015

image by: Pawel Jaszczuk

Pawel Jaszczuk

Kinky City

Über drei Jahre hinweg hat sich Pawel Jaszczuk nach seinen Dayjobs in das Nachtleben der Millionenstadt Tokio gestürzt, hat sich zu später Stunde auf sein Fahrrad geschwungen und sich auf die Suche gemacht nach den Swinger Clubs und Happening Bars, den Couple Kissas und privaten Sex-Parties von Tokio. In seinen Fotografien begegnet man einem Reigen aus Tradition und Pop, Schmerz und Begehren, Sex und Tabu, Intimität und Anonymität. Jaszczuk benutzte einen extrem lichtempfindlichen Film, dem kaum etwas verborgen bleibt.

„Die westliche Auffassung vom Körper als Quelle der Sünde hat in Japan nie Fuß gefasst. Das Konzept von rein vs. unrein existiert in diesem Zusammenhang nicht. Sex, Erotik, Pornografie – all dies ist Teil des Lebens, der Kunst zumal, ein natürliches menschliches Bedürfnis, das in Japan keiner moralischen Wertung unterworfen wird. Was jemand mit seinem Körper anstellt ist seine Privatsache“ (Natalia Czarkowska im Katalogtext zu Kinky City, 2014)
Die Nächte in Tokio sind voller Spielzeug. Puppen, Kostüme, Nadel und Faden, Masken, Fancy Dress und – im Dunkeln verborgen – Etliches mehr. Freilich handelt es sich um Spielzeug nicht für Kinder, sondern für Erwachsene. Paweł Jaszczuk hat sie beim Spielen beobachtet. Das ging nicht von heute auf morgen. Über drei Jahre hinweg hat er sich nach seinen Dayjobs in das Nachtleben der Millionenstadt gestürzt, hat sich zu später Stunde auf sein Fahrrad geschwungen und sich auf die Suche gemacht nach den Swinger Clubs und Happening Bars, den Couple Kissas und privaten Sex-Parties von Tokio. Er hat die Besitzer für sich gewonnen, hat an den Tresen und in den Separees gesessen, schlechte Musik gehört und die Gäste davon überzeugt, sich beim Ausleben ihrer Fantasien von ihm ablichten zu lassen. Dabei übernahm er den Part des Voyeurs, der in den Clubs ohnehin fester Bestandteil des Rollenangebots ist – gewöhnlich natürlich ohne Kamera.
In den Fotografien begegnet man einem Reigen aus Tradition und Pop, Schmerz und Begehren, Sex und Tabu, Intimität und Anonymität. Jaszczuk benutzte einen extrem lichtempfindlichen Film, dem kaum etwas verborgen bleibt. Die pornografische Direktheit der Bilder, die extreme Körperlichkeit im Spiel von Dominanz und Unterwerfung und das Panoptikum an Fetisch-Utensilien – vom Schulmädchen-Outfit bis zur SS-Uniform – machen die Serie zu einem durchaus verstörenden Erlebnis. Momente rauschhaften Taumels, aufgenommen aus extremer Nahsicht werden unterbrochen von Szenen im distanzierteren Blick des Beobachters, ein Wechsel von Ekstase, oft jenseits der Schmerzgrenze, und Ernüchterung. Die Nacht erscheint dabei als der Ort für das Andere des durchregulierten Alltags, gleichzeitig ist aber auch die erotische Praxis, wie kinky sie auch immer sei, bestimmt von einem Set aus wiederkehrenden Rollen, Motiven, Verkleidungen und Traditionen, wie diejenige der kunstvollen Fesselung, bekannt als Kinbaku oder Shibari. Der Tagesanbruch schließlich bedeutet für die Nachtschwärmer vor allem einen Wechsel des Kostüms: aus Latexstrampler und Schürze in Anzug und Businesskostüm, die die Wunden der vergangenen Stunden verdecken.
Paweł Jaszczuk, 1978 in Warschau geboren, studierte an der School of Visual Arts in Sydney, Australien. Nach seinem Abschluss zog es ihn 2004 nach Tokio, das für mehrere Jahre seine Wahlheimat wurde. Während er dort untertags seiner Auftragsarbeit – etwa für Sony Music, TOP SHOP oder UGG – nachging und mit lokalen Künstlern wie Ukawa Naohiro oder Kenji Shimamura kooperierte, gehörten die Nächte den Clubs und Straßen der Metropole. Jaszczuk, der derzeit in Warschau lebt, hat international ausgestellt. Arbeiten aus Kinky City wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Berlin, Hamburg, Tokio und Peking gezeigt. Zuletzt war die Serie im vergangenen Winter in der Leica Galerie Warschau zu sehen.

 

2015

Jim Rakete

Die Burg. Innenleben.

Jim Rakete ist einer der renommiertesten Porträtfotografen der Gegenwart. Seit über 40 Jahren treffen wir in seinen Bildern die Größen der deutschsprachigen und internationalen Musik- und Filmszene, die er oft schon zu Beginn ihrer Karriere, noch vor dem großen Durchbruch, vor seine Kamera holte. Im Sommer letzten Jahres fotografierte Rakete das komplette Ensemble des Burgtheaters in siebenundsiebzig aufeinanderfolgenden Porträtbegegnungen...

Im Sommer letzten Jahres fotografierte Rakete das komplette Ensemble des Burgtheaters in siebenundsiebzig aufeinanderfolgenden Porträtbegegnungen. Als Ort diente dazu wochenlang eine abseits gelegene, mit wenigen Requisiten ausgestattete Probebühne im dritten Rang des Theaters, nur ein paar Schritte von der Gemäldegalerie der Burg entfernt. Die dabei entstandenen siebenundsiebzig Arbeiten sind jetzt erstmals in der Ausstellung JIM RAKETE. DIE BURG. INNENLEBEN in der Leica Galerie Wien zu sehen.
Die Porträts, fotografiert mit der Leica M Monochrom, sind ein Blick in das Innenleben des größten deutschsprachigen Theaters in Schwarzweiß. Wie bei den Proben zu einem Kammerspiel begegnet man den SchauspielerInnen und Schauspielern der Burg auf Augenhöhe und wie in den besten Bühneninszenierungen vermischen sich Persönlichkeit und Rolle der Darstellenden zu einer wahrhaftigen Performance.
„Jim Rakete hat innerhalb von ein paar Tagen das gesamte Ensemble des Burgtheaters fotografiert. Einen nach dem anderen. Rekordverdächtige Akkordkunst... Diese Fotografien zeigen oft mehr, als derjenige, der sich hat ablichten lassen, preisgeben wollte. Ein Blick hinter die Selbstdarstellung.“ Joachim Meyerhoff

 

2014

Sounds of Vienna

100 Jahre Franz Hubmann

Mit der Ausstellung SOUNDS OF VIENNA feiert die Leica Galerie Wien einen der Großen der Österreichischen Fotografie: Franz Hubmann, der heuer am 2. Oktober einhundert Jahre alt geworden wäre. Das Fotomuseum WestLicht hatte vor genau zehn Jahren, zum neunzigsten Geburtstag des Fotografen, seine letzte große Wiener Ausstellung zu Lebzeiten ausgerichtet.

Wie kein anderer hat Franz Hubmann, der Zeit seines Lebens mit der Leica fotografierte, es verstanden, den Klang der Straße aufzunehmen, das Wiener Leben mit seinen Caféhäusern, Bohémiens, Fiakern und Tandlern in seinen Bildern einzufangen. In der Ausstellung begegnet man ihnen wieder: dem legendären Oberkellner Ali aus dem Café Hawelka, der mittlerweile mindestens genauso bekannt ist, wie seine literarischen Gäste, dem frierenden Blumenhändler am Stadtpark oder der Frau, die ihren Gummibaum im Kinderwagen durch Döbling spazieren fährt. Hubmanns untrügliches Gespür für den Augenblick brachte ihm den Ehrentitel „Henri Cartier-Bresson Österreichs“ ein, aber natürlich war er ein Meister der Fotografie aus eigenem Recht, der „unbestechliche Chronist des Wesentlichen und vermeintlich Unwesentlichen“, wie André Heller ihn einmal nannte.

Als passionierter Musikliebhaber war nicht nur der Klang der Stadt Hubmanns Metier, auch die internationalen Größen der Musik, die in den Nachkriegsjahrzehnten Wien besuchten, versammelte er vor seiner Kamera: Der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin, Pianist Friedrich Gulda bei einem seiner ersten Konzerte in der Hauptstadt, Herbert von Karajan bei den Proben im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Neben der Klassik waren es die Jazz-Konzerte, die Hubmann in den 1950er und 60er Jahren anzogen. Joachim Lieben brachte mit seiner Agentur die „Jazz at the Philharmonic“-Reihe, kurz JATP genannt, nach Wien, und damit die erste Garde der internationalen Jazz-Szene. In Hubmanns Fotografien überträgt sich die Leidenschaft, der Drive und die Coolness der Auftritte so begnadeter Musiker wie Louis Armstrong, Miles Davis oder Nat King Cole und man kann sich leicht vorstellen, wie der Jazz in die österreichische Tristesse der damaligen Zeit einschlug. Literarisches Pendant zu den Improvisationen der Jazz-Solisten waren die anarchistischen Soireen der Wiener Gruppe um H.C. Artmann, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener. Mit ihren an Dadaismus und Surrealismus geschulten Perfomances forderten sie den konservativen Geist der Nachkriegskultur heraus, und selbstverständlich war Hubmann dabei, um die inzwischen legendären Aufführungen mit seiner Leica zu dokumentieren.

Die Fotografien der Ausstellung stehen zum Verkauf. Preise auf Anfrage.

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Franz Hubmann erscheint im Christian Brandstätter Verlag das Buch FRANZ HUBMANN. SOUNDS OF VIENNA mit vielen der in der Ausstellung gezeigten Fotografien und Texten von Karlheinz Roschitz, Christian Brandstätter, Axel Hubmann und Gerald Piffl.

Parallel zur Ausstellung in der Leica Galerie Wien feiert auch die Leica Galerie Salzburg den Doyen der österreichischen Fotografie mit einer Ausstellung.

 

2014

Jacob Aue Sobol

Arrivals and Departures

Vor zwei Jahren brach der dänische Magnum Fotograf Jacob Aue Sobol zu einer Reise auf: Quer über den asiatischen Kontinent, von Moskau über Ulan Bator nach Peking. Arrivals and Departures ist das fotografische Logbuch dieser Reise. Aufgezeichnet mit der Leica M Monochrom erzählt es in dichten Schwarzweißbildern von Sobols Begegnungen mit den Menschen entlang der Transsibirischen Eisenbahnlinie.

Dabei sind die Fotografien nie der flüchtige Bericht eines Durchreisenden, im Gegenteil: Sobols Porträts kennzeichnet eine fast schmerzhafte Intensität, die Intimität der Bilder lässt keinen Betrachter unbeteiligt zurück.

„Ich hatte diese Reise schon immer machen wollen: die legendäre Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Dänemark, wo ich herkomme, hat man in fünf Stunden mit dem Zug durchquert, in Russland dagegen sind die Entfernungen gewaltig. Ich war neugierig darauf, wie sich diese Verbindung zwischen Menschen und Orten anfühlen würde, schließlich würde ich auf meinem Weg jeden Baum, jedes Haus und jedes Dorf zwischen hier und Peking passieren. Der erste Schock erwartete mich schon, als ich in den Zug stieg – er war vollkommen leer. Der Plan, Mitreisende zu treffen und Geschichten aus der Enge der Zugabteile zu erzählen, war dahin. Angesichts dieses Geisterzugs musste ein neues Konzept her. Die Nähe musste aus den Begegnungen mit den Menschen entlang der Strecke entstehen, die Gleise waren der rote Faden, der Moskau, Ulan Bator und Peking verband. Im Zug klebte ich letztlich mit der Kamera am Fenster und fotografierte die vorbeiziehende Landschaft, von den russischen Wäldern über die mongolische Wüste durch die Berge nach Peking. Nicht nur Russland, die Mongolei und China waren dabei unbekanntes Gebiet für mich – meine Ausrüstung war es genauso. Zum ersten Mal benutzte ich eine Digitalkamera. Alles war neu, andererseits blieb mein Ziel dasselbe wie zuvor: Die Kamera ist mein Werkzeug, mit ihr stelle ich die Verbindung zu den Menschen her, erzeuge Nähe, Intimität.

Jedes Mal, wenn ich ein neues Projekt beginne, fotografiere ich zuerst in Farbe, aus Angst mich zu wiederholen. Später wird mir dann klar, dass es nie eine rationale Entscheidung ist. Wenn ich keine Beziehung zu den Bildern herstellen kann, wenn ich nicht diesen Stich in der Magengrube fühle, dann bedeuten sie mir nichts, deshalb komme ich dann doch immer wieder zum Schwarzweiß zurück und finde meine Stimme wieder. Die Arbeit in Schwarzweiß war für mich immer der direkteste Weg, existenziellere Fragen anzusprechen. In Schwarzweiß kommt es mir vor, als wären die Bilder nicht an einen bestimmten Ort oder an eine Zeit gebunden – sie schaffen sich ihr eigenes Universum.

Mich hat es nie interessiert, etwas von der anderen Seite der Straße aus zu beobachten, genauso wenig, wie als Fotograf unsichtbar zu bleiben. Ich hoffe, das ist der Grund, warum niemand sich beim Betrachten meiner Bilder als Voyeur fühlt – man ist ein Teil von ihnen. Für mich ist das der Punkt, an dem die Bilder vom bloßen Zeigen zum Sein wechseln, wenn sie keine Geschichte mehr von ‚denen‘ erzählen, sondern von ‚uns‘.“ Jacob Aue Sobol

 

2014

Stefan Kruckenhauser

Parallelschwung

Vom 13. Februar 2014 bis 14. Juni 2014 zeigt die Leica Galerie Wien Fotografien des Schi- und Leica-Pioniers Stefan Kruckenhauser (1905-1988), der mit seiner innovativen Schitechnik in den 1950er Jahren den internationalen Alpinsport revolutionierte.

Nur schwer lässt sich entscheiden, in welcher seiner beiden Rollen – Fotograf oder Schi-Papst – Stefan Kruckenhauser einflussreicher war: Als Bildautor prägte er mit seinen Büchern – insbesondere dem Architekturbildband „Verborgene Schönheit“ – den Stil einer ganzen Generation von Amateurfotografen und trug maßgeblich zur Popularisierung der Kleinbildfotografie in Österreich bei. Die Firma Leitz verlieh ihm schon 1955 die 700.000ste Leica für seine besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Fotografie. Als Schilehrer und Bewegungstheoretiker beeinflusste der „Vater des Wedelns“ auch international den Fahrstil von Millionen von Wintersportlern – die amerikanische Zeitschrift Sports Illustrated verglich in den 1960er Jahren Kruckenhausers Beitrag zur Entwicklung des Alpinsports mit dem Freuds zur Psychoanalyse.

Tatsächlich hat Kruckenhauser seine beiden Leidenschaften zumeist so eng geführt wie seine Schier. Schon bei seinen frühen Fotobüchern „Du schöner Winter in Tirol“ und „Das Bergbild mit der Leica“ von 1937 und 1938, die mit spektakulären Alpin- und Schiaufnahmen glänzten, verband er seine Arbeit als Heim- und Kursleiter des Bundesschiheims St. Christoph am Arlberg mit der Fotografie.

Kruckenhausers Fotografien entstanden zumeist in Zusammenhang mit Publikationsprojekten und auch die Arbeiten der Ausstellung entstammen den Entwürfen für drei seiner Bücher. Gezeigt werden Layouts für Einzel- und Doppelseiten, von Kruckenhauser selbst montiert, in denen nicht nur sein fotografisches Können, sondern auch sein Talent als Grafiker aufscheint.

Beim 1956 erschienenen „Österreichischen Schilehrplan“ zeichnete Kruckenhauser sowohl für die bewegungstheoretischen Erläuterungen, als auch für das Buchlayout und die fotografische Illustration verantwortlich. Insbesondere die Bewegungsstudien des Lehrbuchs, montiert aus vergrößerten Einzelbildern einer Filmkamera, kombinieren gestalterische Finesse und pädagogische Anschaulichkeit.

Für den Bildband „Verborgene Schönheit“ durchstreifte Kruckenhauser in der Schneepause der Sommermonate die österreichische Kulturlandschaft und dokumentierte Schätze des heimischen Architekturerbes, von Standards wie dem Stift Melk bis zur ländlichen Hütte in Tirol. Die Fotografien seines Herzensprojekts – „Ich wollte dieses Buch! Ich griff zur Leica!“ – verbinden die oft romantischen Sujets und Schauplätze mit einer sachlichen Bildästhetik.

Im Gegensatz zu den verstreuten Architekturansichten der „Verborgenen Schönheit“ ist der Band „Ein Dorf wird“ von 1952 ein zusammenhängender, narrativer Bildessay, der die Entstehung eines Modelldorfs in Vorarlberg von den ersten Plänen bis zum Einzug der Bewohner begleitet. Der Siedlungsbau wie auch das Buch wurden initiiert von dem Textilindustriellen Fritz Schindler, der einigen seiner langjährigen Angestellten den Baugrund vor den Toren von Bregenz schenkte. In den Fotografien der gemeinsam zupackenden Arbeiter und der lachenden Kinder, die schließlich in die weißverputzten Häuser hinterm Jägerzaun einziehen, verbildlicht sich das Ideal der Wiederaufbaujahre. Kruckenhauser verknüpft die Einzelaufnahmen zu einer eleganten Bilderzählung, die 2004 auch Martin Parr und Gerry Badger bei der Arbeit an ihrer Geschichte des Fotobuchs überzeugte: Als einzige österreichische Publikation wurde „Ein Dorf wird“ in den ersten Band des Standardwerks aufgenommen.

Die Fotografien der Ausstellung stehen zum Verkauf. Preise auf Anfrage.

 

2013

Kay von Aspern

Randnotizen

Die Leica Galerie Wien zeigt ab dem 14. August Arbeiten des Wahl-Wiener Fotografen Kay von Aspern. Von Aspern ist ein Street Photographer im emphatischen Sinne: Die Kamera ist sein ständiger Begleiter.

Seine Fotografien entspringen einer besonderen Sensibilität für die Exotik unseres Alltags. Was für gewöhnlich im Treiben der Städte verloren geht, weil es unterhalb der Schwelle der allgemeinen Aufmerksamkeit liegt, speichert von Aspern mit seiner Leica: große Dramen in Miniatur, skurrile Begegnungen, bedeutungsvolle Blicke. Es sind Momente, in denen der Alltag sich in einer zufälligen Komposition plötzlich verdichtet und über sich selbst hinaushebt, Momente, die von Aspern dem Strom der Zeit entreißt.

Kay von Aspern ist Teil einer vitalen Szene, die sich in den vergangenen Jahren in Wien gebildet und ganz der Street Photography verschrieben hat. Die Fotografen und Fotografinnen greifen damit ein Genre auf, das vor allem seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, seit die Entwicklung der Kameratechnik eine gesteigerte Mobilität erlaubte, für einige der bleibenden Bilder und nachhaltigsten Mythen der Fotografiegeschichte verantwortlich ist. Henri Cartier-Bressons „moment décisif“, der entscheidende Moment einer Begebenheit, den es im Foto festzuhalten gilt, die Kamera als Verlängerung des Auges – das sind die Ideen, die das Wesen der Street Photography umreißen. Der Fotograf durchstreift als Flaneur den öffentlichen Raum der Stadt, taucht im Fluss der Passanten unter, bleibt aber immer wachsam für das Besondere im Alltäglichen.

„Es ist, als würde man sich in die Meeresbrandung stellen und die Wellen über sich hereinbrechen lassen“, so haben Joel Meyerowitz und Colin Westerbeck in ihrem Standardwerk Bystander die Street Photography beschrieben. „Du fühlst die Kraft der See. Auf der Straße bringt jede Welle ein vollkommen neues Set an Charakteren mit sich. Du nimmst Welle für Welle auf, du badest darin.“ Kay von Aspern, geboren im norddeutschen Itzehoe, wirft sich seit 2005 in die Brandung der Stadt Wien. Dabei sind es oft die Randzonen offizieller Ereignisse, in denen er fündig wird: das Treiben am Rande von Faschingsumzügen, wartende Parteigänger auf Politveranstaltungen, Passanten am Nationalfeiertag – flüchtige Augenblicke, die erst manifest werden, wenn von Aspern eine Fotografie von ihnen macht und sie im Bild konzentriert. Sein Blick ist stets ein humorvoller, der in den zufälligen Konstellationen unserer Umwelt die leisen Absurditäten sichtbar macht – in grafischem Schwarzweiß wie in Farbe.

Die ausgestellten Arbeiten stammen aus den Jahren 2006 bis 2013, fast ausschließlich sind sie in Wien entstanden. Um der Masse an Bildern, der Kay von Aspern sich täglich aussetzt, auch in der Leica Galerie Rechnung zu tragen, wird er darüber hinaus an jedem Tag der Ausstellung ein Foto machen, das im Leica Store geprintet und an die freie Galeriewand geheftet wird. Gleich einem Blog auf Papier wird hier so ein spontaner Skizzenblock seiner Arbeit entstehen.

 

2013

Inge Morath

Menschen

Die Leica Galerie Wien zeigt vom 7. Mai bis 20. Juli 2013 eine Auswahl von Porträts und Reportagefotografien der aus Graz stammenden Magnum-Fotografin Inge Morath (1923-2002).

Im Laufe ihrer fast 50 Jahre währenden Karriere hat ihre Arbeit als Bildreporterin sie rund um den Globus geführt. Ihr Antrieb waren dabei stets die Begegnungen mit den Menschen. Moraths Reisereportagen beruhen auf einer tiefen Neugierde auf die Kultur der Länder und die Lebensumstände ihrer Bewohner. Ihre Porträts zeugen von einem einfühlsamen Interesse für ihre mitunter namhaften Modelle, Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, die sie mit ihrer Kamera kennenlernte.

Inge Morath kam relativ spät zur Fotografie. Als sie sich 1952 eine gebrauchte Leica kaufte, um ihre ersten eigenen Aufnahmen zu machen, hatte sie schon einige Jahre als Textjournalistin gearbeitet. Mit dem Fotografen Ernst Haas bildete sie im Wien der Nachkriegszeit ein Reporter-Team – er besorgte die Bilder, sie verfasste dazu die Artikel. Robert Capa, der 1947 mit Henri Cartier-Bresson und anderen Fotografen in Paris die Bildagentur Magnum Photos gegründet hatte, wurde auf die Arbeit der beiden aufmerksam und holte sie an die Seine. In den Anfangsjahren bei Magnum arbeitete Morath als Texterin und Bildredakteurin. Bei der Auswertung der Kontaktbögen ihrer Fotografenkollegen und bei der Arbeit mit Cartier-Bresson, dem sie auf Reisen assistierte, schulte sie ihren fotografischen Blick.

Ihre ersten eigenen Fotografien legte sie Capa vorsichtshalber unter falschem Namen vor – erst als sich dieser von den Bildern angetan zeigte, gab Morath sich als deren Urheberin zu erkennen. 1955 wurde sie als Vollmitglied in die Agentur berufen – und war damit eine der ersten Frauen, die Teil des elitären Fotografenzirkels wurden. Ihre ersten Aufträge für Magnum führten Morath nach England und Spanien, wo einige ihrer bekanntesten Bilder entstanden. Schon die frühen Fotografien zeigen ein deutliches Gespür für den entscheidenden Moment einer Szene. Ihre Vorliebe für surrealistisch aufgeladene Bildkompositionen teilte sie mit Cartier-Bresson.

Ende der 1950er Jahre verlagerte sich Moraths Lebensmittelpunkt in die USA, wo sie neben ihren Reportagen zunehmend als Set-Fotografin für Hollywood-Produktionen arbeitete. Bei den Dreharbeiten zu THE MISFITS lernte sie 1960 ihren späteren Ehemann, den US-amerikanischen Dramatiker Arthur Miller kennen. Miller war zum Zeitpunkt des Drehs noch mit der Hauptdarstellerin Marilyn Monroe verheiratet. Morath und Miller heirateten zwei Jahre später und waren im Folgenden nicht nur privat ein Paar, sondern arbeiteten besonders seit den 1970er Jahren an einer Reihe von Projekten zusammen, so etwa an gemeinsamen Büchern ihrer Reisen nach Russland und China.

Die Fotografie, so hat es Inge Morath, die Kosmopolitin, die acht Sprachen fließend beherrschte, einmal beschrieben, sei für sie die universellste aller Sprachen. Auf ihren Reisen konfrontiert mit der Erkenntnis, dass ihre deutsche Muttersprache nach dem Krieg als Sprache des Feindes wahrgenommen wurde, fand sie in der Fotografie ein Ausdrucksmittel, das in der Lage war, die ehemaligen Frontlinien zu überwinden und über Grenzen hinweg von Menschen zu berichten und zu den Menschen zu sprechen.

 

2013

Alfred Weidinger

Könige

Alfred Weidinger verfolgt seit 2009 die Spuren der letzten Könige Afrikas, Erben der mächtigen Reiche, die einst den Kontinent beherrschten.

In ihnen lebt nicht nur eine jahrhundertealte Tradition fort, zum Teil sind die Könige noch heute, obwohl ohne direkte exekutive Gewalt, einflussreiche politische und spirituelle Leitfiguren ihrer Gesellschaft. Gleichzeitig aber sind die Monarchen – ähnlich ihren europäischen Standesgenossen – ein lebendes Paradoxon, Relikte einer vergangenen Epoche in einer modernisierten Welt.
Weidingers Porträtserie, die ihn bislang nach Mali, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Kamerun, Tschad, Uganda und Angola geführt hat – weitere Reisen sind geplant –, zeigt die Könige in repräsentativen Posen und vollem zeremoniellen Ornat an von ihnen selbst gewählten Orten. In der Bildkomposition greift Weidinger auf Vorbilder aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zurück, Studioporträts afrikanischer Monarchen, Häuptlinge und Stammesältester. Diese Fotografien entstanden in Fotoateliers, die zum Ende des 19. Jahrhunderts in Teilen von Afrika boomten und Herrscherporträts als Postkarten und Sammelbilder – auch über den Kontinent hinaus – unter das Volk brachten. In den Atelierporträts traten die Monarchen in all ihrem majestätischen Pomp auf, nichtsdestotrotz war bereits die Tatsache ihrer Ablichtung im Foto Zeichen ihrer schwindenden Bedeutung, ging doch der Siegeszug der Fotografie in Afrika Hand in Hand mit der Unterwerfung des Kontinents unter direkte koloniale Herrschaft.
Weidingers Projekt antwortet auf diese Bildtradition, lässt den Modellen aber deutlich mehr Handlungsspielraum in der Gestaltung ihres eigenen Bildes. Wie ein Ausschnitt aus einer Ahnengalerie dokumentiert die Serie den gegenwärtigen Stand der afrikanischen Monarchie und ist visuelles Zeugnis eines aus europäischer Perspektive immer noch oft übersehenen Teils der afrikanischen Geschichte und dessen Kontinuität in der heutigen Gesellschaft. Über die Traditionslinien hinaus, die den Status der Könige bestimmen, wird in Weidingers konzentrierten Schwarzweiß-Aufnahmen die charismatische Persönlichkeit der einzelnen Individuen als Quelle ihrer fortwährenden sozialen Bedeutung sichtbar.
Alfred Weidinger ist Vizedirektor am Belvedere in Wien. Er studierte von 1985 bis 1998 Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Salzburg und schloss sein Studium mit einer Dissertation über das Frühwerk des österreichischen Malers Oskar Kokoschka ab. In der Funktion des Kurators für die Kunst der Klassischen Moderne am Belvedere ist er für die Organisation von bedeutenden Ausstellungen im In- und Ausland verantwortlich. Seine Forschungsschwerpunkte sind bildende und angewandte Kunst sowie Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 1980 bereist er als freier Dokumentarfotograf Afrika. Für sein jüngstes Projekt, für das er mit der Leica M Monochrom in Kombination mit dem lichtstärksten Objektiv, dem Noctilux 0,95 50 mm, arbeitet, hat er dort bislang 118 Könige porträtiert.

 

2013

Robert Capa

China 1938

Die zweite Ausstellung in der neuen Leica Galerie Wien bietet einen konzentrierten Einblick in einen bedeutenden Abschnitt der Weltgeschichte aus der Sicht der Magnum-Legende Robert Capa (1913-1954).

Die Exponate dokumentieren die erste Zeit der Invasion Japans in China. Der verlustreiche militärische Konflikt hatte im Juli 1937 als Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg begonnen und endete 1945 als Teil des Zweiten Weltkrieges. Gezeigt werden rund 30 Fotografien von Robert Capa, eine filmische Dokumentation sowie Publikationen aus der Entstehungszeit. Ausführliche Textkommentare erläutern die historischen und politischen Hintergründe.

Capa erreichte am 16. Februar 1938 mit dem Schiff Hong-Kong. Sein sieben Monate dauernder Chinaaufenthalt umspannte jene Phase des Krieges unmittelbar nach dem Massaker von Nanking, als die Stadt Hankou vorübergehend Sitz der Regierung war. In dieser zentralchinesischen Stadt am Zusammenfluss des Jangtsekiang und des Han-Flusses (heute Teil der Metropole Wuhan) dokumentierte Capa die Propaganda der chinesischen Nationalpartei Kuomintang, Truppenübungen und verschiedene Luftangriffe der Japaner. Bei der Schlacht von Taierzhuang konnte er die entscheidenden Abwehrkämpfe aus nächster Nähe aufnehmen; ebenso die Flutung weiter Gebiete um den Gelben Fluss, mit der man die Japaner aufzuhalten versuchte sowie die katastrophalen Zerstörungen nach den massiven Luftangriffen der Japaner in der zweiten Jahreshälfte 1938.

Der erst 25-jährige aus Ungarn stammende, spätere Magnum-Mitgründer Robert Capa galt zu dieser Zeit bereits als bedeutender Kriegsreporter. Kurz zuvor war ihm mit dem berühmten Bild eines fallenden Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg eine fotografische Ikone des 20. Jahrhunderts gelungen. In China arbeitete Capa im Auftrag der Zeitschrift LIFE sowie als Kamera-Assistent für den Niederländer Joris Ivens, der mit John Fernhout die Filmdoku „The 400 Million“ drehte. Nachdem Capa die verheerenden Zerstörungen in der Stadt Hankou aufgenommen hatte, verließ er im September 1938 den Schauplatz, um seine Reportagen in Spanien fortzusetzen.

Kuratiert von Rebekka Reuter und Marie Röbl

 

2012

Gregor Schlierenzauer

Stille Momente

"Fotografieren ist schon seit geraumer Zeit eine große Leidenschaft des österreichischen Spitzensportlers Gregor Schlierenzauer, dem jetzt schon zweit-erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten. „Schlieri“ fotografiert mit seiner Leica M9 und repräsentiert eine junge Generation, die ohne Mobiltelefone leidenschaftlich fotografiert.

Vor allem auf Reisen findet er seine Motive. Leichtigkeit und Spontanität, aber auch Ernsthaftigkeit und Sensibilität kennzeichnen seine Arbeiten. „In meinen jungen Jahren habe ich bereits viel von der Welt sehen dürfen. Deshalb sehe ich auch viele Dinge anders. Seit ich fotografiere gehe ich offener durchs Leben und schaue bewusster hin. Ich suche die stillen Momente in meinem Leben, genieße sie und nehme sie mit“, sagt Gregor Schlierenzauer. Gregor hat als junges Fotografentalent in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung genommen. Das ist der Grund ihn in den Leica-Talentpool aufzunehmen und von Leica gefördert zu werden. Gregor Schlierenzauer ist seit September dieses Jahres erster Preisträger des Leica Mentoring Programms, mit dem das Unternehmen junge Fotografen unterstützen möchte."

"Ich komme viel herum, bin neugierig und schaue ganz bewusst hin. Diese Kombination, der Rückenwind von Red Bull Creative und die inspirative Schützenhilfe von Sven Hoffmann haben mich vor Jahren zu einer Einweg-Kamera greifen und spontane Augenblicke einfangen lassen. Ohne wirklichen Plan, Hauptsache aus der Hüfte heraus. Schon bald wuchs die Leidenschaft mit dem Hang für technische Innovationen und dem Interesse an Sichtweisen anderer um die Wette. Heute habe ich das Glück und Privileg, von den Besten zu lernen und die Dinge durch kreierte Perfektion zu betrachten. Die Zusammenarbeit mit Leica eröffnet mir einen sehr persönlichen Zugang zu Mensch und zur Marke und völlig neue Blickwinkel. Diese ungeahnten Möglichkeiten erfüllen mich mit sehr viel Stolz, einer großen Verbundenheit und einer noch größeren Dankbarkeit. Ich hoffe, meinen Teil dazu beitragen zu können, dass die Partnerschaft von langfristiger Dauer ist und das Ergebnis den Betrachter bindet."

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