Die diesjährigen Gewinner des international renommierten und traditionsreichen Fotowettbewerbs Leica Oskar Barnack Award (LOBA) stehen fest. In der Hauptkategorie „Leica Oskar Barnack Award“ überzeugte der Amerikaner Mustafah Abdulaziz die fünfköpfige Jury mit seiner Serie „Water“.

In der Kategorie „Leica Oskar Barnack Award Newcomer“ für Nachwuchsfotografen bis zu einem Alter von 28 Jahren setzte sich die deutsche Fotografin Nanna Heitmann mit der Serie „Hiding from Baba Yaga“ durch.

Mustafah Abdulaziz

Leica Oskar Barnack Award Gewinner 2019

Der LOBA Gewinner, Mustafah Abdulaziz, zu seiner Serie „Water“: „Fotografien haben von Natur aus das Potenzial, schön zu sein, damit bin ich vorsichtig. Es muss mit etwas anderem in Einklang gebracht werden, was den Inhalt und den Aufbau angeht, sonst glaube ich nicht daran, und wenn ich nicht daran glaube, kann ich das auch nicht vom Betrachter erwarten.

Für die Bilder in ‚Water‘ bedeutet das, dass ich jeden Teil meiner visuellen Herangehensweise immer wieder neu evaluiere. Es muss einen kontinuierlichen und organischen Entdeckungsprozess ergeben. ‚Water‘ ist mein Weg, die Welt zu erkunden, auf relevante und verantwortungsvolle Weise teilzuhaben und einem überwältigend großen, aber immens wichtigen Thema Bedeutung zu verleihen. Ich mache diese Arbeit nicht nur, weil sie mir große Erfüllung bringt, sondern weil sie notwendig ist. Unsere Beziehung zum Planeten könnte die wichtigste Angelegenheit unserer Zeit sein.“

Das Langzeitprojekt ‚Water‘ für das der Fotograf seit mehr als 8 Jahren auf der Welt unterwegs ist verdeutlicht, wie Menschen mit der Natur interagieren und was es für die Zivilisation und Zukunft bedeutet.

Mustafah Abdulaziz

1986 in New York geboren, studierte MustafahAbdulaziz Publizistik und Politikwissenschaft, schloss das Studium aber nicht ab. Als Fotograf ist er Autodidakt. 2011 zog er nach Berlin, nachdem er als erster Vertragsfotograf für das „Wall Street Journal“ gearbeitet hatte. Sein langjähriges Projekt „Water“, an dem er seit mehr als acht Jahren arbeitet, wurde von den Vereinten Nationen, WaterAid, WWF, VSCO und Google unterstützt. Veröffentlicht wurde es im „Spiegel“, „Guardian“, „New Yorker“ und in „Time“.

Mustafah Abdulaziz, USA: ‘Water’
Mustafah Abdulaziz, USA: ‘Water’
Mustafah Abdulaziz, USA: ‘Water’

Nanna Heitmann

LOBA Newcomer Award Gewinner 2019

Eine Reise in das Reich der Mythen: Der Jenissei, einer der längsten Ströme der Erde, leitete die Fotografin Nanna Heitmann wie ein roter Faden durch Sibirien. „Schnell wurde mir klar, dass der Fluss selbst keine große Rolle spielt. Meistens habe ich nach interessanten Charakteren Ausschau gehalten, denn seit jeher suchen an den Ufern des Jenissei und der angrenzenden Taiga Menschen Schutz und Freiheit: geflohene Leibeigene, Kriminelle, Abtrünnige oder einfach Abenteurer und Altgläubige“, erläutert Nanna Heitmann.

Die Mutter der Fotografin stammt aus Russland. Abgesehen von Moskau war für die LOBA Newcomer Award Gewinnerin Russland immer nur ein großer dunkler Fleck auf der Landkarte. Daher entschied sie sich, ein Auslandssemester in Tomsk, Sibirien, zu absolvieren. Bislang waren ihre Vorstellungen von Russland hauptsächlich von sowjetischen Kinderfilmen und slawischen Märchen geprägt, die sie als Kind gelesen hat und die sie auch für ihr Fotoprojekt „Hiding from Baba Yaga“ inspiriert haben.

Baba Yaga ist eine wichtige Figur in der slawischen Folklore. Sie ist eine unberechenbare und gefährliche Hexe, die in einer kleinen Hütte mitten im Wald lebt. Für ihr Fotoprojekt lieh sich Heitmann einen Jeep und eine Campingausrüstung aus und fuhr mit ein paar Bildinspirationen und möglichen Zielen im Kopf in Richtung der Republik Tuwa. Dem Lauf des Jenissei folgend kam Nanna Heitmann durch die raue Wildnis der sibirischen Taiga, einer Region, die reich an uralten Mythen und Ritualen ist. Sie sah ihre Reise als eine Dokumentation des Lebens entlang des Flusses, aber auch der Mythen in dieser Region. Sie suchte nach traumähnlichen Bildern.

Nanna Heitmann

1994 in Ulm geboren, absolvierte Nanna Heitmann an der Hochschule in Hannover ein Studium des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie mit einem Auslandssemester in Tomsk, Sibirien. Für ihre Arbeit wurde sie 2018 in die Shortlist der Emerging Talents des Online-Magazins „Lensculture“ aufgenommen. Des Weiteren wurde sie im selben Jahr mit dem Vogue Italia Prize beim Women Photographers Grant des PHMuseum für die hier gezeigte Serie ausgezeichnet. Seit 2019 ist sie Kandidatin der Agentur Magnum.

Nanna Heitmann, Germany: ‘Hiding from Baba Yaga’
Nanna Heitmann, Germany: ‘Hiding from Baba Yaga’
Nanna Heitmann, Germany: ‘Hiding from Baba Yaga’

„Im Namen der gesamten Jury, Enrico Stefanelli, Director of Photolux Festival, Milena Carstens, Leitung Fotoredaktion ZEITmagazin, Max Pinckers, Fotograf & Preisträger LOBA 2018 sowie Steve McCurry, Fotograf & Gründer ImagineAsia, beglückwünsche ich die Gewinner des diesjährigen Leica Oskar Barnack Awards, Mustafah Abdulaziz und Nanna Heitmann. Sie haben sich gegen die insgesamt rund 2.300 Mitbewerber aus 99 Ländern durchgesetzt und die gesamte Jury mit ihren ausdrucksstarken, relevanten und bewegenden Bildserien überzeugt“, so Karin Rehn-Kaufmann, Art Director & Chief Representative Leica Galleries International.

Die Gewinner und Finalisten des LOBA werden am 25. September im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Berlin ausgezeichnet. Die Bildserien aller zwölf Finalisten sind anschließend vom 25. September bis zum 25. Oktober 2019 in einer großen Ausstellung mit freundlicher Unterstützung von Ilford Imaging Europe und Halbe-Rahmen in der „Neuen Schule für Fotografie“, Brunnenstraße 188-190, 10119 Berlin zu sehen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint der LOBA Katalog, der die Gewinner und Finalisten mit umfangreichen Bilderstrecken und Hintergrundinformationen detailliert vorstellt.

Weitere Informationen sowie ausführliche Interviews mit den zwölf Fotografen unter www.leica-oskar-barnack-award.com.

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